Buddhismus in Hamburg

Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860) bezeichnete sich selbst als den „ersten europäischen Buddhisten“ und wird als ein entscheidender Wegbereiter des Buddhismus im Westen angesehen. Erste Buddhisten in Hamburg sind für das Jahr 1906 dokumentiert. Mehrere Bürger waren Mitglied der 1903 in Leipzig von dem Indologen Dr. phil. Karl Seidenstücker gegründeten „Buddhistischen Gesellschaft für Deutschland“. Der angesehene Arzt Prof. Dr. Hans Much (1880-1932), der sich unter anderem als Entdecker einer Tuberkel-Bazille und Entwickler der Spalt-Tablette einen Namen gemacht hatte, stand der Hamburger Ortsgruppe des „Bundes für buddhistisches Leben“ vor – einem Ableger der 1891 von dem Singhalesen Dharmapala in Kalkutta gegründeten „Mahābodhi-Gesellschaft“.

Zwei aktive Hamburger buddhistische Zirkel, „Buddhistischer Arbeitskreis Hamburg e.V.“ und
„Deutscher Kreis zur Orientierung in der Wirklichkeit“, kamen während der NS-Zeit zum Erliegen und nahmen 1946 ihre Aktivitäten wieder auf. Im Jahre 1954 wurde die „Buddhistische Gesellschaft Hamburg e.V.“ aus diesen beiden Gruppen gegründet und als erste buddhistische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland als gemeinnützig anerkannt. Sie war damals vorrangig im Theravāda-Buddhismus verwurzelt.

1960 gründen Hamburger Buddhisten mit dem „Haus der Stille“ in Roseburg (bei Mölln) die erste ländliche Begegnungsstätte Deutschlands. Das Seminarhaus wurde in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Anlaufstelle für Lehrer unterschiedlichster Zweige des Buddhismus, die hier ihr Debüt auf deutschem Boden gaben. Dies beeinflusste auch die buddhistische Landschaft im nahen Hamburg.

Zen-buddhistische Kreise entstanden hier ab Mitte der 1960er Jahre – zunächst inspiriert von japanischen Meistern wie Daisetz Teitaro Suzuki (1870-1966, Rinzai-Tradition) oder Taisen Deshimaru Roshi (1914-1982, Soto-Zen). Heute sind, neben weiteren anerkannten Zen-Gruppen, auch verwandte Traditionen mit koreanischem (Seon), vietnamesischem (Thiền) und chinesischen (Chan) Hintergrund in Hamburg vertreten.

Interesse am tibetischen Buddhismus weckte unter anderem Geshe Gendün Lodrö (1924-1979). Er wurde 1967 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Hamburg entsandt und dort 1979 auf den ersten Hamburger Lehrstuhl für tibetische Kultur und Sprache berufen. Die Empfehlung kam von S.H. dem 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso, der 1977 die Schirmherrschaft des Tibetischen Zentrums e.V. in Hamburg übernahm. Die Anfänge des Zentrums reichen bis 1974 zurück. Seine Gründung ist insbesondere der Initiative des Hamburger dpa-Journalisten Peter Turner zu verdanken, der in Indien aufwuchs. Seitdem hat der Dalai Lama Hamburg insgesamt sechsmal besucht.

Etwa zur gleichen Zeit bildete sich eine Wohngemeinschaft im Uni-Viertel, die als erstes Stadtzentrum der Kagyü-Überlieferung fungiert. Sie wird Ausgangspunkt für mehrere heutige Zentren verschiedener Linien innerhalb dieser Traditionsrichtung. Dazu gehören das Buddhistische Zentrum Hamburg der Karma Kagyü-Linie (Buddhistischer Dachverband Diamantweg e.V.) auf St. Pauli und das Theksum Tashi Chöling in Altona (gehört zur Karma-Kagyü-Gemeinschaft Deutschland e.V.).

Auch international bekannte Organisationen, die auf so prominente Lehrer zurückgehen wie Chögyam Trungpa Rinpoche (Shambala), Sogyal Rinpoche (Rigpa) und andere Schulen mit tibetischem Hintergrund sind in Hamburg präsent.

Ins Jahr 1979 fallen große Hilfsaktionen der Wochenzeitung Die Zeit und dem Hilfskomitee Ein Schiff für Vietnam (später: Cap Anamur/ Deutsche Not-Ärzte e. V.). Hunderte Vietnamesen, die als Boat People gerettet wurden und nach Hamburg kamen, bildeten den Grundstein für die vietnamesische buddhistische Gemeinschaft. Mit der Ankunft der Ehrw. Meisterin Thich Nu Dieu Tam im Jahre 1984 wurde die Pagode Bao Quang offiziell gegründet. Heute hat die in einem Tempel in Billbrook beheimatete Gemeinde ca. 4000 Anhänger. Hier wird gleichermaßen Religion, Kulturpflege und Sozialarbeit praktiziert. Als weitere ethnisch-asiatische Gemeinschaften sind unter anderem zu nennen: Der Thailändisch-Buddhistische Tempel Wat Buddhabharami im Stadtteil Tonndorf, der Thai-Buddhistische Verein Hamburg e.V. in Steilshoop/Ohlsdorf, sowie der Buddhistische Vihara Hamburg e.V., deren meiste Mitglieder aus Sri Lanka stammen.

Auch in kultureller und wissenschaftlicher Hinsicht ist das Interesse für asiatische Kulturen in der Welthandelsstadt Hamburg traditionell groß. Dies schlägt sich unter anderem nieder in Museen und der Hamburger Universität, wo seit dessen Gründung 1914 zum Buddhismus geforscht und gelehrt wird.

So spiegelt sich die große Vielfalt des Buddhismus in unserer Stadt wieder – sehr viele der weltweiten Traditionsrichtungen sind vertreten. In Hamburg leben zwischen 15.000 und 20.000 praktizierende asiatisch- sowie deutschstämmige Buddhisten. Allein die Zahl der vietnamesischen Buddhisten liegt bei über 4000, die Zahl der thailändischen Buddhisten (vorwiegend Frauen) wird auf 7.000 bis 8.000 geschätzt. Nach Berlin beheimatet Hamburg die zweitgrößte chinesische Community Deutschlands. Auch leben in Hamburg rund 2.750 Japaner. Einige von ihnen sind – zusammen mit vielen Deutschen – im Hamburger Zentrum der Laienorganisation „Soka Gakkai International – Deutschland e.V.“ organisiert.

Die ca. 60 buddhistischen Zentren und Gruppen unterschiedlicher Stilrichtungen verfolgen nicht nur ihre jeweils eigenen Aktivitäten, sondern arbeiten seit langer Zeit in verschiedenen Bereichen traditionsübergreifend eng zusammen – sei es bei den seit Jahrzehnten regelmäßig gemeinsam organisierten Vesakh-Feiern, im Rahmen der Deutschen Buddhistischen Union e.V. oder bei der Internationalen Gartenschau 2013 in Hamburg-Wilhelmsburg.

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